[Christa Wolf] Was bleibt

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Wie fandet ihr "Was bleibt" von Christa Wolf?

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[Christa Wolf] Was bleibt

Beitrag von Rhia am Sa Feb 12, 2011 12:59 pm

In ihrem Buch "Was bleibt" wird ein Tag im Leben einer Ostberliner Schriftstellerin beschrieben, deren Wohnung und berufliche Aktivitäten von der Stasi ganz offen observiert werden. Die Erzählung thematisiert die Folgen der Beobachtung, insbesondere die dadurch ausgelösten Gefühle, Selbstbefragungen und Veränderungen im alltäglichen Leben der Frau. Als Ich-Erzählerin befindet sie sich in einem ständigen inneren Monolog, in einer permanenten Selbstprüfung, in der sie sich teilweise in Du, Ich und noch ein Drittes spaltet, ein Verhalten, das durch den düsteren Außendruck verursacht wird. Eines der Ichs repräsentiert die ursprünglich loyale Haltung zum Staat DDR, ein anderes ringt verzweifelt um eine neue Sprache, die authentisch und lebendig die Erfahrungen ausdrücken könnte. Ein Alltag wird erzählt, der keiner mehr ist, wenn die eigene Wohnung in Abwesenheit von Fremden betreten wurde und deutlich sichtbare Spuren davon als Hinweis hinterlassen wurden. Gespräche können innerhalb der Wohnung nur noch geführt werden, wenn der Telefonstecker gezogen ist. Telefonate werden zu einer Farce, die sich nur noch in Codes und Belanglosigkeiten abspielt. Symptome der Angst und Nervosität, wie Unruhe, Schlaflosigkeit, Gewichtsverlust, Haarausfall, durchziehen die Erzählung.


So nun zur persönlichen Meinung...
Es ist ein Buch, was mir wegen seines Aufbaus gefällt, viel innere Handlung, eher Verzicht auf Äußere und eine sehr packende Sprache, die eigentlich der Sprache, nach der die Protagonistin sucht, sehr nahe kommt.
Was mir auch gefällt, ist der innere Monolog, der sich durch die ganze Erzählung zieht, der manchmal auch fast schon zum Bewußtseinsstrom wird.
Schön finde ich auch, wie Christa Wolf mit dem gesellschaftspolitischen Hintergrund umgeht, die Ausarbeitung mit den Erfahrungen, Empfindungen dadurch.. Ich bekomme dadurch ein Bild in den Kopf.... die Protagonistin wie in einer Käseglocke gefangen, teils durch den Staat bedingt, teils durch ihre Angst vor seiner Überwachung....

Auf jedenfall ist es beeindruckend zu lesen.

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Ποταμοῖς τοῖς αὐτοῖς ἐμβαίνομέν τε καὶ οὐκ ἐμβαίνομεν, εἶμεν τε καὶ οὐκ εἶμεν.

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Re: [Christa Wolf] Was bleibt

Beitrag von Miro am Sa Feb 12, 2011 6:36 pm

Es ist nur das einzige, was du bisher gelesen hast xDD

ich finde es gar nicht so prickelnd, eher langweilig und habs nur gelesen, weils pflichtlektüre ist. natürlich hat's was, es sind einige beeidruckende formulierungen drin und wenn man christa wolf, also ihr leben nicht kennt, verwirrt es einen ziemlich, um was es eigentlich geht, aber im allgemeinen finde ich es uninteressant... nicht lesenswert bzw... schon, nur gibt es interessanteres, was man in der zeit lesen könnte^^
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Re: [Christa Wolf] Was bleibt

Beitrag von Rhia am Sa Feb 12, 2011 7:57 pm

Es ist eben eine Sache des Buchgeschmacks Wink

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Re: [Christa Wolf] Was bleibt

Beitrag von Miro am Sa Feb 12, 2011 8:29 pm

naja.. schau: es war eine sehr beeindruckende art, zu schreiben.
Aber als es sich herausgestellt hat (für mich) dass sie von tatsächlichen ereignissen und dem SED-Regime und ihrem eigenen Leben erzählt hat, war ich schwer enttäuscht.

Wenn sie eine Paranoikerin beschrieben hätte, die sich das alles nur eingebildet hätte, das fände ich viel lustiger.

Aber ich finde - und natürlich habe ich da den zeitgeschichtlichen standpunkt, das verstehe ich schon - dass sie den stil auf so ne im endeffekt langweilige geschichte verschwendet hat, ziemlich schade, deshalb nicht lesenswert.

In dem Zusammenhang - Bekannte Bücher von DDR-Schriftstellern - würde ich dir viel eher Plenzdorf "Die neuen Leiden des jungen W." empfehlen. Es ist vieel interessanter, einerseits weil er eine erzähltechnik verwendet, die - im gegensatz zu christa wolf's - einzigartig ist und andererseits nicht regimekritik übt, sondern nur die gesellschaft darstellt - im vergleich zu goethes werther.
Auch das ist ein Punkt weshalb ich Was Bleibt eher nicht mag: Es ist viel zu einfach, gegen ein unrechtmäßiges Regime zu schreiben. Es hat sich als eine simple regimkritik eentpuppt und das ist schade und uninteressant, weil das SED-Regime kritisieren kann jeder, einfach weil es eben schlecht usw war. Es ist ein viel zu leichter Ziel gewesen. Vielleicht bin ich jetzt auch einfach unfair zu ihr, weil es in ihrer Zeit eben das prägendste und bewegenste war, auch weil sie ihr Leben durch die Kritik riskiert hat, aber wie bereits gesagt aus meinem Standpunkt zu banal - "No Nazis" kann jeder auf die Wand schmieren.
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