[Gerhard Hauptmann] Vor Sonnenaufgang

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[Gerhard Hauptmann] Vor Sonnenaufgang

Beitrag von Miro am Mi Nov 10, 2010 8:14 pm

Im Ort Witzdorf besucht Loth seinen alten Schulfreund Hoffmann, der in eine reich gewordene Bauernfamilie eingeheiratet hat. Der Reichtum entstand durch die entdeckten Kohlevorkommen in Schlesien. Hoffmann ist aber nicht nur durch Heirat, sondern auch durch fragwürdige Geschäfte zu Geld gekommen. Loth im Gegensatz ist ziemlich arm, so dass er Hoffmann sogar um Geld bitten muss. Loth, der Sozialreformen für nötig hält, ist in diese Gegend gekommen, um über das Leben der Bergleute und den Geschäftemachern drumherum zu schreiben. Hier entsteht ein Konflikt mit Hoffmann, der dies nicht gutheissen kann. Helene, die in einem Pflegeheim aufgewachsen ist und eine „andere“ Welt kennt, findet in Loth eine Person, die die hiesigen Zustände auch inakzeptabel findet. Die beiden verlieben sich. Doch sie stammt auch aus diesem Milieu und Loth glaubt, schlechte Eigenschaften vererben sich....


Das Drama zeigt eindeutig und unverblümt die Probleme der damaligen Zeit auf. Das Kernproblem der Liebesgeschichte ist ganz eng mit der gesellschaftlichen Problematik der damaligen Zeit verbunden. Der schnelle Reichtum einiger Bauern durch die industrielle Entwicklung und die dadurch veränderte Gesellschaft zu einer brutalen Kapitalistengesellschaft wird hier dem Leser näher gebracht.
In diesem Stück legt Hauptmann grossen Wert auf weitgehend Vollständigkeit der darzustellenden Dinge. Seine Absicht, das Milieu so eindeutig wie möglich darzustellen, lässt sich auch an der sehr genau gefassten Regieanweisungen beweisen. Ebenso wie die Umgebung streng vorgeschrieben ist, will Hauptmann auch an den menschlichen Charakteren nichts verändern und lässt die beteiligten Personen in der ihrer sozialen Schicht entsprechenden Sprache sprechen (Dienerschaft im Dialekt, Frau Krause im Dialekt, Hoffmann in Hochsprache mit leicht umgangssprachlichem Einschlag, Loth und Helene reines Hochdeutsch).
Hauptmann will aber auch als Vertreter dieser Zeit dem Leser durch Loth die Ideale seiner Jugend suggestieren. Die Rassenreinheit und den Sozialdemokratismus, die ihn in seiner Jugend faszinierten, kommen durch Loth zum Ausdruck als eine Art Lösung dieser Missstände.
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Re: [Gerhard Hauptmann] Vor Sonnenaufgang

Beitrag von Miro am Mi Nov 10, 2010 8:17 pm

Es ist eine herzzerreißende Liebesgeschichte, die ich einfach nur wundervoll zu lesen fand, doch der tragische Schluss - welcher natürlich vorhersehbar war - hat mich tief getroffen.
Vor allem Loth hat mich dann mit seinen Ansichten enttäuscht und ich habe das Stück - ein Kernstück des Naturalismus - sogleich als Kritik am Naturalismus empfunden, welchen man nach längerer Überlegung gar nicht abgschlagen kann. Selbstverständlich ist Hauptmann anhand seiner anderen Werke eindeutig zuzuordnen, aber diese Stück an sich lässt mir die Milieutheorie falsch erscheinen, da letztendlich Loth und Helene scheitern, eben wegen dieser Theorie.
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