[Klaus Kordon] Auf der Sonnenseite

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[Klaus Kordon] Auf der Sonnenseite

Beitrag von Rhia am Fr Okt 01, 2010 9:05 pm

Deutschland (BRD) 1973: Nach mißglückter Flucht aus der DDR und Stasihaft hat das Warten für Manfred Lenz und seine Frau ein Ende; ihren beiden Kindern Silke und Micha wird nach jahrelanger Unterbringung und jahrelangem Festhalten in einem ostdeutschen KInderheim endlich die Ausreise in den Westen gestattet. Die Familie ist wieder vereint und lebt nun auf der "Sonnenseite".

Manfred und Hannah, die wegen fehlender Gedanken- und Meinungsfreiheit, die besonders den Schriftsteller Manfred in Leben und Wirken beschnitt, in ein freies Land "auswandern" wollten und indirekt mußten, beginnen jedoch schon bald nach ihrer Ankunft im Westen an dieser "Sonnenseite" auch zahlreiche Schattenseiten zu entdecken, manche vorgestellte Freiheit ist nur Illusion, neben der umschwärmten Demokratie regieren Gewinnstreben, Wirtschaft, Prahlerei....
Auf diese Weise gestaltet sich der Neuanfang der Familie schwer, in Mentalität und Lebensweise gibt es zwischen Ostlern und Westlern starke Unterschiede, die sich beispielsweise bei der Berufsfindung zeigen.
Nach langer Arbeitssuche wird Manfred Lenz schließlich Exportkaufmann einer Firma für Medizintechnik, hier hat er eine Stelle bekommen, die ihn wiederum manchesmal "zurück", auf zahlreiche Reisen nach Osteuropa und zu für Lenz schwierige Begegnungen mit dessen Landsleuten führt.

Jahre später, als die Situation der Familie sich stabilisiert hat, wagt Lenz schließlich seinen langgehegten Traum: Er versucht sich als Schriftsteller für das schwierigste Klientel: Die Jugend.
Ihr möchte er, sehr an Geschichte und Politik interessiert, durch die Schilderung von (fiktiven) Einzelschicksalen, diese näherbringen und ihnen so zu helfen, zu nachdenkenden, mitredenden und mitgestaltenden Menschen der Gegenwart zu machen. Lesungen führen ihn weiter auf der Welt herum und tiefer in die deutsche Geschichte.
Gleichzeitig beschäftigen ihn jedoch auch die politisch schwierigen Jahre der BRD, der Terror durch RAF, und die Wiedervereinigung .




Beeindruckend an diesem Roman sind meiner Meinung nach Kordons schlichter Schreibstil, der dadurch einzigartig ist. Wie eigentlich kein anderer kann dieser Autor damit jedem Menschentyp, jeder Schicht seine Stimme geben, sodass man sich sehr stark ins Geschehen hineinversetzen kann, dieses vielleicht auch, weil Kordon sich niemals richtig auf eine Seite stellt, sondern beide Seiten im Dialog durchdiskutieren/ -erleben lässt.
(Dieser Roman ist der 2. Teil, der erste dieser Lebensgeschichte heißt "Krokodil im Nacken"


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Ποταμοῖς τοῖς αὐτοῖς ἐμβαίνομέν τε καὶ οὐκ ἐμβαίνομεν, εἶμεν τε καὶ οὐκ εἶμεν.

In die selben Flüsse steigen wir und steigen wir nicht, wir sind es - und wir sind es nicht.
(Heraklitus Ephesius, Fragmenta)
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