[Bernhard Hennen] Alicia

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

Wie hat euch das Buch "Alicia" gefallen?

0% 0% 
[ 0 ]
100% 100% 
[ 1 ]
0% 0% 
[ 0 ]
0% 0% 
[ 0 ]
0% 0% 
[ 0 ]
 
Stimmen insgesamt : 1

[Bernhard Hennen] Alicia

Beitrag von Levassa am Do Jun 03, 2010 5:17 pm


ab 14 Jahren
13,5 x 21,5 cm
336 Seiten
EUR: 14,95 CHF: 26,50
ISBN: 978-3-8000-5526-5

Was als Reise auf das Rittergut ihrer Großeltern beginnt, wird für die junge Alica zum schaurigen Fantasy-Märchen der etwas anderen Art: In dem Gemäuer treibt ein Geisterfalke sein Unwesen und Alica verliebt sich bald in den jungen Husaren François, der ihr im Spiegel erscheint. Und dann taucht auch noch der Heinzelmann Wallerich auf. Während der auf modernste Technik setzt, verstrickt sich Alica bald immer tiefer in schwarze Magie. Denn sie will nicht nur ihren Auftrag erfüllen, sondern auch François wiedersehen. Dafür schreckt sie sogar vor einem Pakt mit der gefürchteten Dunklen Königin nicht zurück ...

Während der Weihnachtsferien wird Alica zu ihren Großeltern "abgeschoben", die auf einem Rittergut am Ende der Welt leben. Von Anfang an fühlt sie sich dort nicht willkommen. Ihr mürrischer Großvater lässt wenig Zweifel daran, dass er keinen Teenager um sich haben will. Sie ahnt nicht, dass er vor allem auf ihren Schutz bedacht ist. Schon am ersten Abend hat sie einen Unfall, als ihr ein Geisterfalke erscheint und bald wird auch Alica klar, dass sie an einen Ort geraten ist, an dem Träume wie Alpträume wahr werden können. Die Dunkle Königin, eine Schreckensgestalt aus alten Bergmannssagen, umgarnt sie. Der Geist eines vor zweihundert Jahren verstorbenen Husaren beschützt sie und lockt sie zurück in die Vergangenheit, um selbst Erlösung finden zu können, aber immer wieder versucht der Geisterfalke, sie zu töten.
↓ Leseprobe ↓
Spoiler:
Versetzt! (S. 4-5)

Das tat man einfach nicht! Alica konnte es nicht fassen. Sie waren nicht gekommen. Jeder Irrtum war ausgeschlossen. Der Bahnhof von Heimbach war zu klein, um jemanden zu übersehen. Ihre Großeltern waren nicht gekommen! Sicher waren sie nur aufgehalten worden, versuchte sie sich zu beruhigen.

Alica nahm den Saxofonkoffer und ging hinüber zu dem kleinen Glashäuschen, das ein wenig Schutz vor dem eisigen Wind bot. Sie stellte den schweren Koffer auf einen mit Brandnarben übersäten Plastiksitz und schnallte ihren Rucksack ab.

Das letzte Abendrot verglomm hinter den Bergen. Dunkle Wolken zogen von Osten heran. Alica seufzte. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Im Stich gelassen zu werden war wohl nicht genug. Jetzt bekam sie noch einen Platzregen dazu. Sie schlug den Kragen ihres Mantels hoch und zog ihren Schal etwas enger. Dann vergrub sie die Hände in den Manteltaschen. Die große Uhr am Bahnsteig zeigte 17.10 Uhr. Ob ihre Großeltern vielleicht dachten, sie käme erst mit dem nächsten Zug? Alica sah dem Sekundenzeiger der Uhr eine Weile zu, wie er ruckend vorwärtswanderte. Mit jeder Runde, die der Sekundenzeiger beendete, wuchs ihre Wut. Ihre Finger strichen über die Tasten des Handys, das tief in der Manteltasche steckte. Sie könnte anrufen. Die Nummer der Großeltern war eingespeichert. Aber sie hatte nicht einmal mehr zehn Euro auf ihrer Karte. Zehn Euro für endlose vierzehn Tage, die sie hier am Ende der Welt verbringen musste. Es war doch nicht ihre Schuld, dass sie nicht abgeholt wurde. Warum sollte sie dafür bezahlen?

Ihr stieg ein dicker Kloß in den Hals. Jetzt bloß nicht losheulen, ermahnte sie sich stumm. Sie blickte zum Gasthof, der keine hundert Meter hinter dem Busbahnhof lag. Sollte sie nicht einfach dorthin gehen? Es wäre verlockend, einen Kakao mit Sahne zu bestellen und dazu eine Waffel mit heißen Kirschen. Sie würde die Großeltern zahlen lassen, wenn sie endlich kamen. Das hatten sie verdient!

Und wenn sie nicht kamen?

Das machte man doch einfach nicht! Sie war vierzehn! Man durfte sie nicht alleine an einem Bahnhof in der Fremde stranden lassen! Vielleicht war den beiden etwas passiert? Wieder tastete sie nach dem Handy. Unschlüssig blickte sie den Bahnsteig entlang. Sie war die Einzige, die wartete. Auch der Busbahnhof gegenüber war menschenleer. In den Häusern leuchteten gelbe Lichter. Manchmal sah man Schatten an den Fenstern vorbeigleiten. Ein Stück den Hang hinauf gab es einen Garten, in dem jeder Baum mit einer Lichterkette geschmückt war. Sie stellte sich vor, wie die Familie dort oben jetzt am Küchentisch saß und darüber plauderte, was es bis Weihnachten noch zu erledigen gab. Alica kämpfte wieder gegen den Kloß im Hals. Mutter lag im Krankenhaus und deren Freund Mike war einfach nur ein Chaot. Nur zweimal hatte Alica sie besucht. Seit der Geburt von Paul lag Mutter auf der Intensivstation. Ihre Arme waren voller blauer Flecke gewesen, als hätte man sie verprügelt. Über ihrem Bett hingen jede Menge Flaschen und Beutel, von denen Schläuche unter die Bettdecke führten. Mutter war so erschöpft gewesen, dass sie nicht sprechen konnte. Aber sie hatte mit den Augen gelächelt, so wie nur sie es konnte. Ihr Gesicht war blassgelb. Eine Farbe, wie sie manchmal alte Kerzen hatten. Sogar das Weiß in ihren Augen wirkte gelb.

_________________
Alles ist eine Sache der Einstellung
avatar
Levassa
Wörterwasserfall
Wörterwasserfall

Weiblich
Anzahl der Beiträge : 1784
Alter : 25
Ort : Augsburg
Tropfen : 911
Anmeldedatum : 21.01.08

Benutzerprofil anzeigen http://woerterwasserfall.forumsfree.de

Nach oben Nach unten

Re: [Bernhard Hennen] Alicia

Beitrag von Levassa am Do Jun 03, 2010 5:32 pm

Also ich fand das Buch echt gut, es gab nur ein paar Sachen, die mir noch zu wenig durchdacht waren, wie (!nur lesen, wenn man das Buch schon fertig gelesen hat, sonst ist der Schluss nicht mehr gut Wink )
Spoiler:
den Schrumpf- und Unsichtbarkeitszauber oder dass Francois irgendwie 200 Jahre lang nichts gemacht hat. Oder dass mehrerer Sachen bis zum Ende ungeklärt bleiben, was jetzt eigentlich mit ihrem Vater ist oder warum sich der Falke einfach aufgelöst hat. Und es wird nie thematisiert, dass Alica und Francois in ein paar Jahren vor dem gleichen Problem wie Bella und Edward stehen: sie altert weiter aber er nicht...
Aber zum lesen war es toll und schön Very Happy

_________________
Alles ist eine Sache der Einstellung
avatar
Levassa
Wörterwasserfall
Wörterwasserfall

Weiblich
Anzahl der Beiträge : 1784
Alter : 25
Ort : Augsburg
Tropfen : 911
Anmeldedatum : 21.01.08

Benutzerprofil anzeigen http://woerterwasserfall.forumsfree.de

Nach oben Nach unten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben

- Ähnliche Themen

 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten